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eMudhra: acht CA-Schlüssel kompromittiert, und was du jetzt prüfen solltest

Am 20. Oktober 2026 haben Mozilla und das Chrome Root Program von Google bestätigt: Die privaten Schlüssel von acht Zwischenzertifizierungsstellen der indischen CA eMudhra sind kompromittiert. Dein Browser ist weitgehend versorgt. Deine Server, Skripte und Container vielleicht nicht.

Was passiert ist

Eine Zertifizierungsstelle (CA) bürgt dafür, wer hinter einer Website steht. Software vertraut ihr, weil ihr Root-Zertifikat auf einer eingebauten Liste steht. Wer den Schlüssel einer vertrauenswürdigen CA besitzt, kann für jede beliebige Domain ein gültig wirkendes Zertifikat ausstellen.

Genau darum geht es hier. Ein Forscher meldete am 17. Oktober, dass sich die Schlüssel von acht Zwischenzertifikaten berechnen lassen. Laut dem Mozilla-Bug erzeugte ein fehlerhaftes Skript in der Schlüsselzeremonie von eMudhra einen zweiten, schwachen Schlüsselsatz, der dann versehentlich verwendet wurde. Die privaten Schlüssel erwiesen sich als winzige Zahlen. Die Zeremonie stammt aus dem April 2025, die Schwäche bestand also rund 18 Monate.

Sechs der acht sind TLS-CAs, zwei sind CAs für Codesignaturen:

  • EM DV, OV und EV TLS CA, jeweils als G3B und G3C
  • EM OV CS CA, als G3B und G3C

Wer schon reagiert hat

  • 17. Oktober: Firefox und Chrome blockieren die Zertifikate.
  • 18. Oktober: eMudhra widerruft alle acht.
  • 19. und 20. Oktober: Apple und Microsoft blockieren sie ebenfalls.
  • 20. Oktober: Mozilla entfernt den Root emSign ECC Root CA - G3. Chrome folgt am 27. Oktober.

Bist du betroffen?

Ein Angreifer müsste deinen Datenverkehr abfangen können, etwa in einem Netz unter seiner Kontrolle, und dir dann ein gefälschtes Zertifikat vorlegen. Das ist eher ein gezielter Angriff als ein Massenangriff. Die Schlüssel sind aber inzwischen öffentlich, jeder in dieser Position kann sie also nutzen.

Aktuelle Browser lehnen diese Ketten ab. Das Risiko liegt bei allem, was eine eigene Liste von Root-Zertifikaten mitbringt und erst durch ein Update von der Änderung erfährt:

  • Python mit certifi und Node.js mit seiner eingebauten Liste
  • Java mit seinem eigenen cacerts
  • Container-Images, die den Stand ihres Builds behalten
  • eine cacert.pem, die in einem SDK oder einer Anwendung steckt
  • VPN-Gateways, Proxys, Firmware und andere Geräte

Was du jetzt tun solltest

  1. Browser und Betriebssysteme aktualisieren. Damit ist der normale Arbeitsplatz abgedeckt.
  2. Abhängigkeiten aktualisieren. In Python heisst das certifi ab 2026.10.19, und zwar in jedem Projekt und jeder virtuellen Umgebung, nicht nur in der, an der du gerade arbeitest.
  3. Container neu bauen. Ein Update des Hosts ändert an einem bestehenden Image nichts.
  4. Bundles prüfen. grep -c "emSign ECC Root CA - G3" <bundle> sollte 0 ergeben. In Python zeigt python -c "import certifi; print(certifi.where())", welche Datei gemeint ist.
  5. Dich nicht auf dieses Ergebnis allein verlassen. Die Zwischenzertifikate wurden auch vom alten Sectigo-Root AAA Certificate Services quersigniert. Ein Bundle kann ihnen also vertrauen, ohne einen einzigen eMudhra-Root zu enthalten. Lösche diesen Root nicht von Hand, das kann legitime Verbindungen stören. Installiere stattdessen ein aktuelles Bundle.
  6. Eigene Zertifikate prüfen. Hängt das Zertifikat deiner Website an emSign ECC Root CA - G3, brauchst du vor dem 27. Oktober Ersatz von einer anderen CA. Sonst sehen Besucher in Chrome eine Fehlermeldung.
  7. Codesignaturen prüfen. Wer Signaturen aus der Codesigning-Kette von eMudhra prüft, sollte das separat anschauen, denn sie läuft getrennt von den TLS-Listen.

Nachtrag, 1. November 2026: eMudhra hat den Ausstieg aus dem weltweiten TLS-Zertifikatsgeschäft angekündigt und bietet Kunden Ersatzzertifikate von Sectigo an. Der andere Root, emSign Root CA - G1, bleibt vorerst vertrauenswürdig, Google prüft ihn noch. Weitere Fixes sind da, darunter Node.js 22.23.4, 24.22.1 und 26.12.1 sowie Go 1.27.3 und 1.26.10, und Red Hat führt den Fall als kritisch. Am 21. Oktober hatte Cisco Talos keine Angriffe beobachtet. Google fand vor der Sperre in den öffentlichen Certificate-Transparency-Logs keine Zertifikate unter diesen Zwischenzertifikaten. Ein Kommentar im Mozilla-Bug meldet über 100'000 danach protokollierte Zertifikate vom 20. und 21. Oktober, mindestens eines davon für die Domain eines Forschers. Das ist nicht bestätigt und steht im Widerspruch zur Aussage von eMudhra, selbst keine Zertifikate aus diesen CAs ausgestellt zu haben.

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